Moritz Mebel

2. Mai 2020

 

‚Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!‘ – das waren auch meine Gedanken am Tag des Sieges über den Hitlerfaschismus.


Moritz Mebel (Freund und Mitstreiter von Konrad Wolf und unseres Ehrengastes Wladimir Gall) war 2008 zu Gast bei unserem Fest zum Tag des Sieges. Er wurde 1923 in Erfurt geboren und emigrierte mit seiner jüdischen Familie 1932 nach Moskau. Wie Stefan Doernberg ging er auf die deutschsprachige Karl-Liebknecht-Schule in Moskau, die 1938 geschlossen wurde. 1940 begann er ein Medizinstudium.
 
Im Oktober 1941, als die faschistische Wehrmacht weiter auf Moskau vorrückte, meldete er sich freiwillig zu den neu aufgestellten Arbeiterbataillonen zur Verteidigung Moskaus. Der Rotarmist Moritz Mebel, seine guten Deutschkenntnisse waren bekannt, wurde in die 7. Abteilung der 53. Armee in der 2. Ukrainischen Front versetzt, wo er Politoffizier in der „Abteilung für die Arbeit unter den feindlichen Soldaten und der Bevölkerung“ war. Die Aufgabe dieser Abteilung bestand darin, die vor ihr liegenden Wehrmachtssoldaten über den verbrecherischen Krieg, den sie führten, aufzuklären.
 
Den 8. Mai 1945 erlebte er als Oberleutnant und Instrukteur der 7. Abteilung in der Nähe von Vyskov, ca. 50 km östlich von Brno. Als Angehöriger der Roten Armee kämpfte er bis zum Ende des Krieges gegen Deutschland und dann in der Mongolei gegen Japan.
 
1945 bis 1947 stand er im Dienst der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) im Regierungsbezirk Halle-Merseburg. Prof. Dr. Moritz Mebel gehörte zu den international anerkanntesten Medizinern der DDR. Der Name des Urologen ist wesentlich mit der Entwicklung der Nierentransplantation in den Berliner Krankenhäusern Friedrichshain und Charité verbunden. 1963 bis 1981 war er Chefarzt der Urologie im Krankenhaus Friedrichshain und von 1982 bis 1988 Klinikdirektor der Charité-Urologie.