Hania Szelewicz

1. Mai 2020

 

Vergesst nicht unseren Kampf. Bewahrt den Frieden!
 

Oberleutnant Hania Szelewicz, geb. 12.02.1925, 2. Infanterie-Division der 1. Polnischen Armee.
 
Hania lebte bei Lublin in Ostpolen, das am 17. September 1939 von der Sowjetunion besetzt wurde. Anfang 1940 wurde sie mit knapp 15 Jahren, ohne ihre Eltern, vom Volkskommissariat für innere Angelegenheiten (NKWD) nach Sibirien deportiert, wo ihre vierjährige Schwester an Entkräftung starb. In der Taiga bei Irkutsk arbeitete sie als Holzfällerin.
 
Im Frühjahr 1943 wurde sie mit ihrer älteren Schwester in die 1. Polnische Armee mobilisiert, die – nach Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und der polnischen Exil-Regierung in London – in der UdSSR formiert wurde. Ihr Bruder gelangte dagegen noch rechtzeitig zur Armee von General Władysław Anders. Als Funkerin der 2. Polnischen Infanterie-Division „Jan Henryk Dąbrowski“ der 1. Polnischen Armee kämpfte sie gemeinsam mit der Roten Armee bei der Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Majdanek, am Pommernwall und des KZ Sachsenhausen.
 
Das Kriegsende erlebte sie an der Elbe. Seit 2012 war Hania mehrmals Gast der Berliner VVN-BdA beim Tag des Sieges am 9. Mai im Treptower Park. Bei Zeitzeugengesprächen in der Berliner Robert-Jungk-Oberschule, bei Treffen mit deutschen Besucher*innen der Gedenkstätte Auschwitz oder beim Empfang durch die SPD-Fraktion im Charlottenburger Rathaus unterstrich sie die Notwendigkeit des Kampfes gegen den wiedererstarkenden Nationalismus und Neofaschismus. Sie rief zur internationalen Zusammenarbeit für ein friedliches Europa auf und appellierte in dem Dokumentar-Film von Christian Carlsen und Philip Jansen an die Bewahrung demokratischer Werte, die durch den Sieg über den Hitlerfaschismus erkämpft wurden. In Polen setzte sie sich über Jahre gemeinsam mit Major Ada Żurawska für die Erhaltung der Erinnerung an die Frauen-Soldaten der 1. und 2. Polnischen Armee ein.
 
Hania starb nach langer Krankheit am 2. Januar 2016 im Alter von 89 Jahren. Insgesamt kämpften in der 1. und 2. Polnischen Armee 8000 Frauen an der Ostfront.